Rundkurs unterm Patronat von Mauritius

Arbeitskreis hat Geschichtsweg mit 19 Stationen ausgewiesen

Morschheim ist nicht nur ein geschichtsträchtiger  Ort,  er  hat  auch Bürger, die sich für die Ortsgeschichte ins Zeug legen. Und so kann zur Kerwe am Wochenende ein Morschheimer   Geschichtsweg   eingeweiht werden –  als erstes  Teilstück  einesclaus1 „Geschichtsweges    Nordpfalz-Rheinhessen“, der später auch die Gemeinden  Orbis,  Mauchenheim,  Oberwiesen, Kriegsfeld, Niederwiesen, Offenheim und Bechenheim einschließen soll. In Morschheim drängt sich Geschichte förmlich. Und so finden sich gleich 19 Schilder auf einem nur etwa einen Kilometer langen Rundkurs. Die Edelstahltafeln mit den beschrifteten  Plexiglasscheiben stehen gewissermaßen unter dem Patronat des Heiligen Mauritius, des Ortsheiligen, der in stilisierter Form aus ihnen herausragt. Der Arbeitskreis Morschheimer Geschichte, dem Astrid Neumann, Karl Steingaß, Elsbeth Hartmetz, Dorothee Herlinger, Artur Konzock, Michael Sehr und Claus Hoffmann angehören, beschränkte sich bei der Beschriftung der Sehenswürdigkeiten nicht auf dürre Information. Er wollte eine chronologisch sinnvolle Zeitreise von der frühen Besiedlung an ermöglichen, Geschichte und manchmal auch Geschichten erzählen, Gebäude zur dörflichen Lebens- und Arbeitswelt und zu Familien in Bezug setzen. Dort, wo – wie bei Kelten, Römern und Franken – nicht auf unmittelbare Zeugnisse vor Ort verwiesen werden kann, geschieht dies immerhin durch interessante Infos. Zum Beispiel, dass der Ackerer Karl Klingenschmitt 1876 bei der Anlage eines Weinbergs auf einen römischen Begräbnisplatz stieß oder 1932 beim Bau der Wasserleitung ein ebenfalls römischer Brunnen freigelegt wurde. Oder dass der Ort Morschheim, was die  Endung „heim“ bezeugt, auf eine fränkische Gründung zurückgeht. Vor allem vier große Schautafeln ermöglichen mit ihren Texten und Abbildungen alter Pläne auch Fremden einen guten, komplexen Überblick über die Ortsgeschichte. Und mehr Touristen – der neue Selztalradweg liegt vor der Haustür – für das Dorf zu interessieren, ist auch eines der Ziele der Initiatoren. Auch die Ortsprominenz wird gewürdigt: Johann von Morsheim vor allem (1455-1516),derimdiplomatischen Dienst des Heidelberger Kurfürsten Ludwig V. stand und zugleich in einem Versepos den Fürstenhöfen die Leviten las, und natürlich der Römer Mauritus, christlicher Märtyrer, Wappenfigur der Gemeinde,  Namensgeber der protestantischen Kirche Morschheims und in jüngerer Zeit auch der Gemeindehalle – Legendäres über ihn wird auf einer der Tafeln erzählt. Erhaltene historische Baulichkeiten gibt es in Morschheim erst vom beginnenden 18. Jahrhundert an, berichten Astrid Neumann und ClausHoffmann beim Rundgang. Denn zuvor hatten Dreißigjähriger Krieg und Pfälzischer Erbfolgekrieg auch hier für verödetes Land gesorgt. Nun markiert diese Nachkriegs-Epoche  einen  Schwer-
punkt des Geschichtswegs. Der 1706 erbaute Dreiseithof in der Hintergasse ist Morschheims ältestes Wohnhaus, 1981 gehörte er zu den ersten Gebäuden, die im Donnersbergkreis denkmalschutzgerecht renoviert wurden. Auch Hakenhof und Zehntscheune, um Beispielezunennen,gehenauf diese Zeit zurück. In Morschheim musste der „Zehnt“ aus landwirtschaftlichen Erträgen an die Klöster Sion und Rothenkirchen abgeführt werden, bis dem die Franzosenzeit 1798 ein Ende setzte. Natürlich findet auch die Ära Napoleon Berücksichtigung – die von ihm ausgebaute Kaiserstraße Paris – Mainz führt schließlich durchs Dorf. Wie am denkmalgeschützten Wohnhaus Zinck, wo eine hochzeitHochzeitsgesellschaft im Jahr 1910 abgebildetist, illustrieren die Morschheimer Geschichtsfreunde die Tafeln gelegentlich mit alten Fotos. Eines zeigt auch die buckelige Kaiserstraße mit Dorfbewohnern und einem Mann zu Pferd – von Autos noch weit und breit keine Spur. Ein Höhepunkt des Weges umfasstgleichermaßen Geschichte und Vitalität der Dorferneuerungs-Gemeinde in der Gegenwart: Dem idyllischen protestantischen Pfarrhof, einem Kulturdenkmal, schließt sich der im früheren Pfarrgarten erst jüngst geschaffene Bürgergarten an. Er ist, mit kleiner Freilichtbühne, mit Spielmöglichkeiten, Beeten und Ruheplätzen, zu einem neuen Treffpunkt fürs Dorf geworden – so wie es früher auf ganz andere Art das Milchhäuschen war, das natürlich auch „am Weg“ liegt. Ein Jahr lang arbeitete der Arbeitskreis Geschichte an dem Projekt: Recherchen waren einzuholen, Fachleute zu konsultieren, Texte zu schreiben, die Umsetzung zu organisieren - hier leisteten Designerin Vera Neumann und die Agentur Koch wichtige Arbeit. Um die Kosten von 5000 Euro zu decken, lud der Arbeitskreis mehrfach zum Sommercafé ein, ansonsten konnte er auf Spendenfreude und Unterstützung der Gemeinde zählen.Bürger hätten auch die Möglichkeit, Schilder an ihren Häusern selbst als Paten zu übernehmen, berichten Astrid Neumann und Claus Hoffmann.

Quelle: Rheinpfalz vom 5.Sep.2008
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