Nach sechs bis sieben Jahren Planungszeit wurden jetzt die ersten 17 Bäume des Neugeborenenwaldes am Wasserhaus gepflanzt - ein aussagestarkes, naturhaftes Symbol für Leben. Mit Kinderwagen, Schippen und Spaten rücken Morschheimer Väter und Mütter an, der Nachwuchs, der schon laufen kann, bringt sein Gießkännchen und die Sandkastenschaufel mit, voller Erwartung: Heute bekomme ich meinen eigenen Geburtstagsbaum!

 

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Die Löcher wurden bereits von Familie Filz ausgebaggert, Rindenmulchsäcke neben den Erdhügeln aufgetürmt. "Sauschwer" sind die in Stahlnetze verpackten Wurzelballen, Väter hieven die Stämmchen in Schubkarren: ein Rot- und ein Weißdorn, eine Erle, acht Eichen, fünf Apfel- und zwei Kirschbäume.

Gesund und kräftig sehen sie aus, manche sind schon über drei Meter hoch. "Wir haben sehr auf Qualität geachtet", sagt Tatjana Fuchs von der Verbandsgemeinde, die das Projekt im Rahmen der Dorferneuerung und Flurbereinigung koordiniert. Im Morschheimer Neugeborenenwald sollen insgesamt 90 Bäume großwerden, vorgesehen sind eine Erlenallee, ein Kranz aus Eichen und viele Obstbäume.

Im kommenden Herbst soll die Pflanzaktion fortgesetzt werden. Die Standorte und Baumarten wählte Landschaftsplanerin Caroline Engelhardt aus, die von der Flurbereinigung ausgewiesene Fläche wurde in Eigenleistung der Einwohner, allen voran Gernot Koch, geebnet und eingesät.

Entsprechend der Dorfmoderation soll das Wäldchen in der idyllischen Mulde am Dorfrand, begrenzt vom Selztal-Radweg, Radlern attraktiver Rastplatz (und damit Werbung für den Ort) und Kindern und Jugendlichen heimischer Aufenthalt im Grünen sein.

Im Sommer werden hier noch ein Labyrinth und ein Spielschiff gebaut: In einem vorbereitenden Workshop konnte die Dorfjugend sämtliche Ideen und Wünsche für ihren Abenteuerspielplatz einbringen, und jede Familie wurde in einem Rundschreiben informiert.

Für jedes Morschheimer Baby ein Baum - ganz so streng sieht man das allerdings nicht. VG-Chef Axel Haas beispielsweise stiftete für sämtliche Kita-Kinder einen "Ontario" als Pollenspender für die benachbarten Apfelbäume, Morschheimer Großeltern wollten ihre Enkel in Amerika verewigt wissen.

Einzige Bedingung für den Geburtsbaum ist der enge Bezug eines Kindes zum Dorf. Er kostet 170 Euro, Familienbäume (ab drei Kindern) sind mit 200 Euro veranschlagt. Noch sind die Namen an einem nummerierten Bepflanzungsplan am Wasserhaus auszumachen, später sollen sie auf Täfelchen in direkter Nähe festgehalten werden.

Bürgermeister Joachim Fister spricht in seiner Begrüßung von einer Pionieraktion, einmalig in Rheinland-Pfalz. "In einer kommerzorientierten Zeit spricht das Projekt die Gefühlswelt an: Hier wird für ein Kind und gleichzeitig für einen Baum gesorgt", so Fister. Denn mit dem Pflanzen ist es längst nicht getan: Der Setzling muss gehegt und gegossen werden. Gießkannen und reichlich Wasser in den zwei Zapfcontainern an dem 80-jährigen Wasserhaus stehen zur Verfügung. Der erste Sommer ist entscheidend - und der kann heiß werden.

"Ran an die Spaten! Und geht mir keiner nach Hause, bevor die Arbeit getan ist!", sagt der Ortschef launig. Und damit bei der gemeinschaftsfördernden Initiative niemand hungert, ist für Wurstbrote und wärmende Linsensuppe gesorgt. "Gestern", verrät Fister, "spendierte einer einen Baum, obwohl sein Enkelkind noch gar nicht geboren ist". Zukunftsplanung...

Von Marie-Louise Funk

Quelle: Rheinpfalz vom 2.04.12

 

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